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Angi
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  Bayern
Beitrag Verfasst: Fr 17 Feb, 2006 21:07 Antworten mit Zitat

So, ich hoffe, ich bin hier einigermaßen im richtigen Bereich des Forums. Wenn nicht, bitte in einen passenderen verschieben.

Da einige von euch etwas über Rettungshundearbeit wissen wollten, schreibe ich mal ein bißchen was. Ich weiß allerdings nicht genau, was euch besonders interessiert, also bitte einfach fragen.

Ich habe mich schon als ich Alino erst kurz hatte, für Rettungshundearbeit interessiert. Allerdings trainieren die bekannten Staffeln vom Roten Kreuz, THW usw. alle mindestens 3x die Woche, oft auch noch einen ganzen Tag am Wochenende. Das ist einfach ein Zeitproblem für mich, da ich seit zwei Jahren wieder Vollzeit arbeiten muß. Ich bin in einer Animal Learn Hundeschule und die hat letztes Jahr angefragt, ob Interesse bestünde, eine Rettungshunde-Staffel aufzubauen, die nach den Prinzipien von Animal Learn arbeitet und in der auch vollzeit Berufstätige mitmachen können. Wir haben uns anfangs nur 1x die Woche zum Training getroffen, jetzt 14tägig, aber die doppelte Stundenzahl, müssen halt den Rest der Woche alleine mit den Hunden arbeiten.

Voraussetzung für die Hunde: Guter Grundgehorsam (Begleithundeprüfung muß vorhanden oder im Lauf der Rettungshunde-Ausbildung gemacht werden), Sozialverträglichkeit, Menschenfreundlichkeit, Kondition, Geländegängigkeit, Arbeitswille.
Voraussetzung für die Menschen: Sozialverträglichkeit, Kondition, Geländegängigkeit, Arbeits- und Lernwille.
Ganz wichtig ist, daß Mensch und Hund wissen, daß das alles Team- und Gruppenarbeit ist.

Neben der praktischen Ausbildung gibt's eine Menge Theorie (z. B. erste Hilfe beim Hund, Lernverhalten von Hunden), Ersthelferausbildung usw.

Unsere Staffel wird sich auf Fährten- und Flächensuche und Mantrailing spezialisieren. Mal sehen wie das wird, weil nicht jeder Hund für alles gleich geeignet ist.

Wir haben, wie es bei schwierigeren Handlungsketten für's Lernen bei Hunden sinnvoll ist, die Sucharbeit mit dem Ende begonnen. Die Hunde haben also als erstes gezeigt bekommen, wie toll es ist, jemanden, der fünf Meter weiter in einem Gebüsch verschwunden ist zu finden und dann zurück zum Frauchen (oder Herrchen) zu laufen und mit dem zusammen wieder zum "Opfer" zurückzukehren (gaaaaaaaaanz tolle Leckerchen gibt's da dann von beiden). Wenn das klappt, wird ein Signal eingeführt, mit dem der Hund seinem Besitzer zeigt, daß er jemanden gefunden hat und nicht nur einfach so zum Hallo-Sagen da ist. In den meisten Staffeln ist es so, daß die Hunde beim "Opfer" bleiben und bellen, so lange, bis die Hundeführer da sind. Wir wollten das nicht, auch weil es für einen Verletzten, der noch dazu vielleicht Angst vor Hunden hat, nicht wirklich toll ist, vielleicht eine halbe Stunde lang angebellt zu werden. Auch lernen die Hunde dadurch, daß bellen Frauchen herbeiruft und sie nutzen das auch in anderen Situationen. Und wer will das schon. So hat sich jeder von uns etwas ausgedacht, was der Hund schnell zeigen kann. Alino z. B. dreht sich einmal schnell im Kreis. Das hat er schon immer von selber angeboten, macht es auch auf Kommando und es entspricht einfach auch seinem Temperament, wenn er aufgeregt ist und sich nicht auch noch auf was Komplizierteres konzentrieren kann. Als dann das Anzeigeverhalten gefestigt war, haben wir angefangen mit Fährtenarbeit. Erst an der 10m Leine, dann ohne Leine. Das gibt allerdings bösen Ärger mit Jägern und Förstern Sad Aber irgendwo muß man ja trainieren und auf freien Flächen verirrt sich selten jemand, den man ohne Hunde nicht finden kann.
Nach der Fährtenarbeit kam dann die sogenannte Freie Suche, d. h. der Hund wird nicht mehr am Fährtenanfang angesetzt, sondern losgeschickt, sucht sich selbst die Fährte und läuft darauf zum "Opfer" (wenn der Wind günstig steht und der Hund den Menschen schon riecht und dann nicht auf der Fährte zu ihm läuft, ist das natürlich auch ok). Bisher waren die Leute immer so im Wald gesessen, daß die Hunde Zugang zu ihnen hatten. Als nächstes werden wir anfangen den Hunden beizubringen, daß sie auch die Leute anzeigen sollen, zu denen sie keinen direkten Kontakt aufnehmen können, weil die z. B. in einer Scheune oder einem Graben sitzen. Das ist für die Hunde etwas völlig anderes.

So, das sollte erstmal reichen. Also, wenn ihr genaueres wissen wollt, bitte fragen.

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Angi + Alino

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Karin
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Beitrag Verfasst: Sa 18 Feb, 2006 09:15 Antworten mit Zitat

hallo angie,
das hört sich alles super interessant an ...
könntest du mir bitte kurz erklären was ich unter den begriffen
Fährten- und Flächensuche und Mantrailing
mir vorstellen soll....? was muss der hund da denn genau mchen, bzw, was ist das ziel ?

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Angi
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Beitrag Verfasst: Sa 18 Feb, 2006 14:56 Antworten mit Zitat

Hallo Karin,

Fährtensuche: Der Hund wird an den Anfang einer Fährte angesetzt, z. B. beim Auto einer vermissten Person und verfolgt dann die Spur weiter. Das kommt bei der Vermisstensuche allerdings relativ selten vor. Aber es ist eine prima Sache für den Anfang, da das für die Hunde recht einfach ist und nicht wirklich "gelernt" werden muß. Es geht erstmal nur darum, daß sie verstehen, was Mensch von ihnen will. Jeder Hund kann fährten, das ist das allernatürlichste für Hunde. Schwieriger wird es erst, wenn die Fährten älter sind, oder das Gelände wechselt usw. Das muß man langsam steigern. Kannst es ja mal mit Deinem Hund versuchen. Knote ein Stück Fleisch an eine Schnur und ziehe sie hinter Dir her. Leg' dann das Fleisch als Belohnung an das Ende der Fährte. Lauf in einem großen Bogen zurück (nicht über die Fährte laufen), hol Deinen Hund und setze ihn am Fährtenanfang an. Wirst sehen, das macht er recht problemlos.

Flächensuche: Meist weiß man ja nicht, wo genau jemand "verloren gegangen" ist, nur etwa in welchem Gebiet. Das Gebiet wird dann aufgeteilt und jedes Mensch-Hund-Team bekommt ein gewisses Areal zur Suche zugeteilt. Der Hund muß dieses Teilstück dann frei absuchen, sich auch auf Distanz z. B. in eine andere Richtung schicken lassen usw.

Mantrailing: Der Hund muß einen bestimmten Menschen suchen. Ihm wird z. B. ein benutztes Kleidungsstück des Menschen zum Beschnuppern gegeben und er sucht dann nach DIESEM Geruch. Amerkia ist die "Hochburg" des Mantrailing. Dort wird vor allem mit Bloodhounds gesucht, weil die die besten Nasen haben. Diese Hunde suchen Menschen auch noch nach Tagen, auch wenn die Leute z. B. mit dem Rad oder zu Pferd unterwegs sind und auch in der Stadt. Das finde ich einfach den Wahnsinn.
Der große Unterschied zum Fährten (wie das z. B. in Deutschland bei Fährten-Prüfungen ist) ist, daß der Hund darauf trainiert wird, Hautpartikel und Geruchsstoffe, die ein Mensch so absondert, zu verfolgen. Da diese Partikel von Luftströmungen z. T. weit verweht werden, wird so ein Hund niemals genau einer Fährte folgen. Er wird oft genug mit hoher Nase suchen. Beim Fährten dagegen lernen die Hunde, die Nase immer am Boden, den Bodenverletzungen (zertretenes Gras etc.) zu folgen, die durch den Menschen gemacht werden.

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Angi + Alino

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Stef
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Beitrag Verfasst: Sa 18 Feb, 2006 18:18 Antworten mit Zitat

Hallo Angi,
danke für deine Einführung! Das liest sich echt interessant Very Happy Hört sich aber auch nach einer Menge Arbeit an Wink

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Stef

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Angi
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  Bayern
Beitrag Verfasst: So 19 Feb, 2006 12:11 Antworten mit Zitat

Hallo Stef,

ja, ist auch eine Menge Arbeit, macht aber auch Spaß.
Das Problem ist halt, daß man zum Üben, wenn sich die Gruppe nicht trifft, kaum jemanden findet, der bereit ist, sich eine Stunde oder noch länger in den Wald zu setzen und zu warten, bis der Hund ihn findet. Insofern habe ich schon noch etwas Zweifel, ob wir die Ausbildung in der Zeit schaffen, die unser Trainer angegeben hat. Aber wir werden sehen.

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Angi + Alino

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